Welche Anforderungen gelten für Kleidung mit hoher Sichtbarkeit?

Für ein persönliches Schutzausrüstungsstück (PSA), und genauer gesagt ein Kleidungsstück mit hoher Sichtbarkeit (HV), müssen mehrere Kriterien erfüllt sein, damit es Sicherheits- und Normanforderungen erfüllt und konform zu den Normen ist. Diese Anforderungen betreffen Konstruktion, Materialien, Sichtbarkeit und die Anpassung an die Arbeitsumgebung.

In diesem Beitrag erläutern wir die regulatorischen Anforderungen sowie einige Empfehlungen zur Auswahl HV-Kleidung.

1. Allgemeine Anforderungen (Norm EN ISO 13688)

Alle PSA, einschließlich HV-Kleidung, müssen die folgenden Kriterien erfüllen:

Unbedenklichkeit: Die verwendeten Materialien dürfen der Gesundheit nicht schaden oder Irritationen verursachen.

Ergonomie: Die Kleidung muss bequem sein und ausreichende Bewegungsfreiheit ermöglichen.

Anpassung an den Benutzer: Verfügbarkeit in passenden Größen, die der Morphologie entsprechen.

Haltbarkeit: Beständigkeit gegen Waschen, Abnutzung und spezifische Einsatzbedingungen.

2. Spezifische Anforderungen an HV-Kleidung mit mittleren Risiken (Norm EN ISO 17353)

a. Hauptanwendung :

Geeignet für Situationen, in denen das Risiko moderat ist, z. B. Freizeitaktivitäten (Joggen, Radfahren) oder Arbeiten in weniger gefährlichen Zonen.

b. Anforderungen :

Unterteilt in 3 Signalisationstypen:

     Typ A: Reflektierende Materialien für Sichtbarkeit bei Nacht.

     Typ B: Fluoreszierende Materialien für Sichtbarkeit am Tag.

     Typ AB: Kombination beider (Tag und Nacht).

Weniger streng in der minimalen sichtbaren Fläche der Materialien im Vergleich zu EN 20471.

c. Verwendete Materialien

o Typ A: Nur reflektierende Materialien, für nächtliche Sichtbarkeit.

o Typ B: Nur fluoreszierende Materialien, für Sichtbarkeit am Tag.

o Typ AB: Kombination beider für Sichtbarkeit Tag und Nacht.

d. Minimal erforderliche Fläche :

Die minimalen Flächen variieren je nach Typ der Signalisation:

o Typ A (reflektierend) : ≥ 0,03 m²

o Typ B (fluoreszent) : ≥ 0,14 m²

o Typ AB (gemischt):

     Fluoreszierend: ≥ 0,14 m²

     Reflektierend: ≥ 0,03 m²

e. Flexibilität :

o Weniger streng als EN ISO 20471, insbesondere in Bezug auf die gleichmäßige Abdeckung.

o Geeignet für modulare Ausrüstung oder Zubehör (z. B. Armbinden, Sportwesten).

3. Spezifische Anforderungen an HV-Kleidung mit hohen Risiken (Norm EN ISO 20471)

a. Hauptanwendung :

Ausgelegt für Umgebungen, in denen das Unfallrisiko hoch ist, z. B. Straßen, Baustellen und stark befahrene Verkehrsbereiche.

b. Anforderungen :

o Kleidung mit fluoreszierenden Materialien und reflektierenden Streifen.

o Drei Klassen je nach sichtbarer Materialfläche:

     Klasse 1: Geringe Sichtbarkeit (z. B. Armbinden).

     Klasse 2: Mittlere Sichtbarkeit (z. B. Westen).

     Klasse 3: Maximale Hochsichtbarkeit (z. B. langärmlige Jacken).

o Geeignet für Tag- und Nachtbedingungen.

c. Verwendete Materialien

o Fluoreszierend: Verbessert die Sichtbarkeit bei schwachem Tageslicht (Morgen- bzw. Abenddämmerung) oder bei schlechtem Wetter.

o Reflektierend: Gewährleistet Sichtbarkeit bei geringer Helligkeit oder Nacht unter direkter Beleuchtung (z. B. Fahrzeugscheinwerfer).

d. Minimal erforderliche Fläche :

Die sichtbaren Flächen hängen von der Kleidungs-Klasse ab (je höher das Risiko, desto größer die Flächen):

o Klasse 1 (geringe Sichtbarkeit) :

     Fluoreszierend: ≥ 0,14 m²

     Reflektierend: ≥ 0,10 m²

o Klasse 2 (mittlere Sichtbarkeit) :

     Fluoreszierend: ≥ 0,50 m²

     Reflektierend: ≥ 0,13 m²

o Klasse 3 (maximale Hochsichtbarkeit) :

     Fluoreszierend: ≥ 0,80 m²

     Reflektierend: ≥ 0,20 m²

e. Strikte Konformität :

Die Materialien müssen gleichmäßig über das Kleidungsstück verteilt sein, um eine Sichtbarkeit von 360° zu gewährleisten. Die Tests umfassen Haltbarkeit, Leistung nach dem Waschen und extreme Bedingungen.

f. Anordnung der reflektierenden Streifen

Die Streifen müssen so angeordnet sein, dass eine 360°-Sichtbarkeit gewährleistet ist.

Minimale Breite der Streifen: 50 mm.

Abstand und Positionierung müssen es ermöglichen, den Träger auch aus der Ferne leicht zu erkennen.

4. Kriterien für optische und mechanische Leistung

Rückstrahlung: Reflektierende Materialien müssen auch nach Beanspruchung, Waschen und Witterungseinflüssen wirksam bleiben.

Haltbarkeit: Die Kleidung muss häufigem Waschen standhalten, ohne ihre Hochsichtbarkeits-Eigenschaften zu verlieren.

5. Kennzeichnung und Dokumentation

CE-Kennzeichnung: Pflicht, um die Einhaltung der europäischen Vorschriften nachzuweisen.

Etikettierung: Muss Folgendes enthalten:

    o Verweis auf die Norm (EN ISO 20471).

    o Leistungsniveau (1, 2 oder 3).

    o Pflegehinweise (Waschen, Trocknen, etc.).

Informationsblatt: Vom Hersteller bereitgestellt, das die Leistungen und Einschränkungen der Kleidung erklärt.

6. Spezifische Anforderungen für bestimmte Umgebungen

Wetterbedingungen: Norm EN 343, wenn die Kleidung auch gegen Regen oder Kälte schützt.

Industrielles Risiko: Kombination mit Normen wie EN 510 (Gefährdung durch Hängenbleiben) oder EN 11612 (Schutz gegen Hitze und Flammen).

Hosen HV, HV-Westen, HV-T-Shirts, HV-Polohemden, HV-Parka oder andere HV-PSA müssen maximale Sichtbarkeit gewährleisten, angepasst an das Risikoniveau der Umgebung und dabei Normen für Materialien, Konstruktion und Wartung beachten. Ziel ist es, Unfälle aufgrund unzureichender Sichtbarkeit in gefährlichen Umgebungen zu minimieren.

Kontaktieren Sie das ALM Textile-Team, um Ihnen dabei zu helfen, die relevantesten Normen und Anforderungen zu identifizieren!

Scroll