Die Perle der Vologne: Schatz der Herzöge von Lothringen
Fast vier Jahrhunderte lang (vom 15. bis zum 19. Jahrhundert) trugen Süßwasserperlen aus den Flüssen der Vogesen (insbesondere aus der Vologne) zum Reichtum und zum Ruhm des Herzogtums Lothringen bei. Da die Perlen intensiv ausgebeutet wurden, verschwanden sie nach und nach.
In diesem Beitrag sprechen wir über Malakologie (Lehre von den Weichtieren!), ihre wirtschaftliche Bedeutung und die Gründe für ihr Aussterben.
Ursprung und Entstehung der Vologne-Perlen
Süßwasserperlen werden von Muscheln, insbesondere der Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera), produziert. Wenn ein Parasit in die Muschel eindringt, reagiert die Muschel, indem sie den Eindringling mit Perlmutt (Kalziumkarbonat) umhüllt und so eine Perle bildet. Dieser natürliche Prozess wird heute in der Zuchtperlenindustrie nachgeahmt.
Die Perlen der Vologne sowie die der Flüsse Neuné und Barba waren wegen ihrer Farbvielfalt besonders begehrt: milchig-weiß, rosa, violett, grau, blau und rötlich.
Die Ausbeutung von Perlen und ihre historische Bedeutung
1. Die Ausbeutung der Vologne-Perlen geht bis ins 13. Jahrhundert zurück.
Die erste schriftliche Erwähnung findet sich auf einer Karte von Lothringen aus dem Jahr 1513 mit der lateinischen Inschrift „In hoc flumine reperiuntur margaritae“ („In diesem Fluss findet man Perlen“). Im Laufe der Jahrhunderte wurden diese Perlen für die Herzöge von Lothringen zu einem Symbol für Reichtum und Prestige.
Historische Hinweise zeigen, dass diese Perlen den Herrschern geschenkt und für die Herstellung von Schmuck für den Adel verwendet wurden. Renée de Bourbon-Montpensier, Katharina von Medici und Maria Theresia von Frankreich sollen Schmuckstücke besessen haben, die mit Perlen aus der Vologne verziert waren.
2. Fangbedingungen und Vorschriften
Ab dem 17. Jahrhundert wurde der Fang von Perlmuscheln reglementiert. Die Herzöge von Lothringen vergaben Nutzungsrechte, und Perlenwächter waren für die Überwachung und den Erhalt der Muschelpopulationen zuständig. In einigen Dokumenten aus dem 17. und 18. Jahrhundert werden diese Fangpraktiken und die damit verbundenen Steuern detailliert beschrieben.
Die Perlen wurden in der Regel zwischen Juni und Juli geerntet. Die Hälfte der Einnahmen aus diesem Fischfang ging an die Herzogtümer von Lothringen und die Kirche von Remiremont. Ab dem 18. Jahrhundert berichten Quellen jedoch von einer Verknappung der Perlen aufgrund zunehmender Überfischung.
3. Niedergang und Aussterben der Vologne-Perlen
Im 19. Jahrhundert trugen mehrere Faktoren zum Verschwinden der Perlmuscheln bei:
• Überfischung und übermäßige Ausbeutung, was zu einer Verringerung der Muschelpopulationen führte,
• Industrielle Verschmutzung, insbesondere durch die Papier- und Textilindustrie, die die Wasserqualität beeinträchtigt hat,
• Verschwinden von Wirtsfischen (wie der Bachforelle), die für den Lebenszyklus der Muscheln unerlässlich sind.
Ende des 19. Jahrhunderts waren die Perlen in der Vologne fast vollständig verschwunden. Der Figaro berichtete 1892, dass „die Perlen früher in der Vologne reichlich vorhanden waren, aber fast völlig verschwunden sind“.
Erbe und Erinnerung an die Perlen von La Vologne
1. Die Perlen wurden von den Dichtern besungen
Jean-Claude Sommier, der Pfarrer von Champ, soll 1702 Verse über die Perlen der Vogesen geschrieben haben:
« La Vologne, surtout, vray Gange de la Voge
Attire du Prieur et la veue et l’éloge. / Il y voit se former et les perles et l’or
Qu’on trouve dans son sein, qui brillent sur bord. »
Philippe Antoine Chainel, Herr von Château-sur-Perle, ist der Autor eines Heldengedichts, in dem Venus den jungen Mädchen der Vôge ein Andenken an ihre Reise hinterlassen wollte:
« Auf dem Grün, das im Schatten einer Hecke sitzt, Venus sah die Vologne, wollte dort ein Bad nehmen. Die Welle war klar und zeigte ihren Schoß. Elle entre et, s’ébattant comme fait une anguille, Elle enfante un foetus couvert d’une coquille. Par les flots emporté ce germe original Fut fixé sur la pointe au milieu du canal. Cependant de Vénus ayant reçu la vie Au voeu de la nature l’huître étoit asservie Le long de la rivière aussi vit-on bientôt De sa progéniture un très-nombreux dépôt. Mais, dans l’huître en l’ouvrant, le pêcheur y rencontre Une perle à belle eau, d’une éclatante montre. Le galant bijoutier en forme des atours Dont la femme raffole en ville et dans les cours ».
2. Eine nachhaltige kulturelle und historische Prägung
Alte Aufzeichnungen und Erzählungen belegen die Bedeutung dieser Perlen in der Mode und im Schmuck der Herzoginnen von Lothringen. Einige Quellen erwähnen, dass Josephine de Beauharnais versucht haben soll, Vogesen-Perlmuscheln in die Becken von Malmaison einzuschleusen, was jedoch nicht gelang.
Erhaltungsversuche und aktueller Status
Heute ist die Flussperlmuschel in Frankreich eine geschützte Art. Sie ist in der Berner Konvention (1979) aufgeführt und wird von der IUCN als gefährdete Art eingestuft. Seit 2012 zielt ein nationaler Aktionsplan darauf ab, ihre Populationen in einigen französischen Flüssen wiederherzustellen.
In Lothringen wurden bei einer Zählung im Jahr 2007 auf 15 km des Neuné nur noch drei lebende Exemplare gezählt, was ihr fast vollständiges Aussterben bestätigte.
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